Antikensammlung Berlin: Antike Bronzen in Berlin
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Bilddatenbank: Antike Bronzen in Berlin

Die Bronzesammlung nach C. Friederichs, Antike Bronzen und Geräte im Alten Museum (1871) und weitere Erwerbungen bis 1945 (Bestände und Verluste).

Ein Projekt der Antikensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin, 2004–2007 und 2008–2011 durchgeführt mit Unterstützung der DFG – Deutsche Forschungsgemeinschaft von Norbert Franken unter der Leitung von Wolf–Dieter Heilmeyer und Andreas Scholl.

Die Bronzen der Berliner Antikensammlung sind 1871 kurz vor dem Übergang der Forschung zum neuen Dokumentationsmedium der Photographie in einem meisterhaften Bestandskatalog von Carl Friederichs publiziert worden. Sein Katalog ist so grundlegend, daß er bis heute als Ersatz für die älteren Inventare zur numerischen Bezeichnung dient, wobei die in ihm enthaltenen Bronzen (einschließlich einiger Objekte aus Blei, Eisen, etc.) mit einem „Fr.“ (= Friederichs) vor der jeweiligen Nummer zitiert werden.

Die in einer früheren Version erstmals 2007 online verfügbare ‚Bilddatenbank Friederichs’ setzte sich zum Ziel, die bisher vermißten Abbildungen zu Friederichs’ Katalog - soweit rekonstruierbar - bereitzustellen und die von ihm aufgenommenen Bestände vornehmlich etruskisch-italischer und römischer Bronzen dadurch umfassend zu erschließen.

Im Anschluß daran galt ein zweites DFG-Projekt der Erschließung der in der Zeit von 1871 bis 1945 erworbenen Bronzen, unter denen sich nun vermehrt griechische Bronzen befinden, die unter anderem aus Dodona, Lusoi etc. und aus den Grabungen der Berliner Museen in Olympia, Samos, Priene, Milet und Didyma stammen. Neben den in Berlin vorhandenen Beständen galt dieselbe Aufmerksamkeit den seit Ende des Zweiten Weltkriegs fehlenden Objekten. Nachdem es dem Bearbeiter dank des Entgegenkommens von russischer Seite möglich war, in den Jahren 2009 und 2010 auch die derzeit im Staatlichen Museum der Bildenden Künste A. S. Puschkin in Moskau aufbewahrten Bestände zu sichten, bietet die hier vorgestellte Datenbank erstmals einen weitreichenden visuellen Eindruck von einem der wichtigsten Teilbereiche der Berliner Antikensammlung.

Durch Brände in dem als Verlagerungsort der Berliner Museen dienenden Flakbunker in Berlin-Friedrichshain im Mai 1945 haben viele Bronzen schwer gelitten und ihre Inventarnummer verloren, was eine sichere Identifizierung oftmals schwierig und gerade bei weniger signifikanten Stücken manchmal unmöglich macht. Um den besonders betroffenen Teil der Bronzen, der bereits 1958 aus der Sowjetunion zurückgebracht worden war, bemühten sich verschiedene Mitarbeiter der Antikensammlung bereits seit den 1960er und 1970er Jahren. Daran anschließend konnten bei der Revision der erst seit 1995 im Alten Museum am Lustgarten aus Ost- und West-Berlin wieder vereinigten Bestände nochmals mehr als 10 % der Objekte identifiziert, zusammengesetzt oder um fehlende Teile ergänzt werden. Einzelne Statuetten kamen darüber hinaus nach gründlicher Recherche als Irrläufer im Ägyptischen Museum – SMB und in der Skulpturensammlung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden zutage. Nach Abschluß dieser Arbeiten ist festzustellen, daß heute noch rund zwei Drittel des ehemaligen Bestands in Berlin nachweisbar vorhanden sind. Zu dem übrigen Drittel gehören neben den verschollenen oder mutmaßlich zerstörten Stücken auch die zur Zeit in Rußland befindlichen Bronzen, die Abgaben und Ausleihen an andere Abteilungen der Berliner Museen und mehrere langfristige Leihgaben an verschiedene deutsche Museen.

Die in der Antikensammlung heute noch vorhandenen Bronzen (sowie einige Leihgaben) wurden von Norbert Franken, die meisten Olympiabronzen von Mirko Vonderstein und die Bronzen im Puschkin-Museum von Konstantin Korganov digital photographiert. Dabei zeigen die neuen Farbaufnahmen unter anderem, daß viele Bronzen ihre antike oder barocke Patina verloren haben und daß die Stücke in Moskau zum größten Teil eine Brandpatina aufweisen. Abgesehen von letzteren erkennt man fehlende Objekte meist auf den ersten Blick dadurch, daß sie nur in historischen Schwarzweißphotos, Stichen, Aquarellzeichnungen oder Bleistiftskizzen erscheinen. Bei Objekten ohne Abbildung oder aussagekräftige Beschreibung ist der Verbleib unklar. Manche von ihnen dürften sich ohne Möglichkeit der Identifizierung noch unter den zu verschiedenen Zeiten in Berlin aus dem Altbestand nachinventarisierten Objekten befinden.

Verbunden mit dem vorliegenden Digitalinventar der Berliner Bronzen sind vielfältige neue Beobachtungen zur Funktion einzelner Objekte, zur Erwerbungsgeschichte (Vorbesitzer) und anderen Aspekten. Diesbezügliche Bemerkungen sind in der Regel mit dem Autorenkürzel NF (= Norbert Franken) gekennzeichnet. Nicht alle alten Angaben konnten überprüft werden. Die Literaturangaben wurden aktualisiert und erheblich vermehrt. Auf eine präzise und dem heutigen Wissensstand angepaßte Datierung und Beschreibung aller Objekte wurde bewußt verzichtet. Für die Objekte des Fr-Inventars wurde unter dem Stichwort ‚Originaltext’ ein direkter Zugriff auf den eingescannten Friederichs-Katalogs geschaffen, um dem Nutzer einen Vergleich von Beschreibung und Objekt zu ermöglichen.

Hinweise auf Unstimmigkeiten, neue Forschungsergebnisse und ggf. fehlende Literaturzitate werden an die Adresse der Antikensammlung erbeten.

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