Highlight der Woche: Archiv

Do 09.02. - Mi 15.02. "Löwenkopf und -tatze"

Dieser Kopf eines brüllenden Löwen ist griechisch-römischen Modellen aus dem 1. und 2. Jahrhundert unserer Zeitrechnung sehr ähnlich, jedoch liefern mehrere Elemente der Gestaltung und Technik den Beweis, dass dieses Objekt von einem regionalen Handwerksbetrieb angefertigt wurde: Die innen liegenden Augen, die in grafischem Stil gefertigte Mähne, der in Hochrelief gearbeitete Schnurrbart sowie die Augenbrauen und die grob skizzierten kleinen Röhren, die die runden Ohren darstellen, erinnern an die Darstellung von Löwenköpfen, welche in Südarabien gefunden wurden.

  • Löwenkopf und -tatze, ca. 2. Jh. n. Chr., Bronze, H: 23 cm, B: 32 cm T: 25 cm, Fundort: Najran
    Löwenkopf und -tatze, ca. 2. Jh. n. Chr., Bronze, H: 23 cm, B: 32 cm T: 25 cm, Fundort: Najran
  • Detailausschnitt, Löwenkopf
    Detailausschnitt, Löwenkopf
  • Detailausschnitt, Löwentatze
    Detailausschnitt, Löwentatze

Dieser Löwenkopf war vermutlich in der Rundung oder im Hochrelief mit einem Körper verlötet, was zumindest die Asymmetrie der Mähne vermuten lässt. Es ist keine Überraschung, dass keine anderen Teile dieses Objektes gefunden wurden, da Südarabische Bronzegießer eine Technik praktizierten, bei der sie den Lehmkern, der sich innerhalb der Skulpturen befindet, aufbewahrten. Dies sparte nicht nur Material, sondern machte die Wände der Skulpturen sehr dünn und daher besonders zerbrechlich. Dieses Objekt war ein vereinzelter Fund im frühen 20. Jahrhundert, so dass es vorstellbar ist, dass die restlichen dünnen Bronzefragmente der Figur, welche sicherlich korrodiert waren, übersehen wurden. 

Tiere wie Stiere, Steinböcke und Gazellen, hatten in den vorislamischen Religionen der arabischen Stämme eine spirituelle Funktion und symbolisierten verschiedene Götter. Löwen hingegen wurden als Schutzwachen vor Gräbern, Tempeln und Häusern gestellt.

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